Liebe

Liebe

Eva Wunderbar, Potsdam 22. Oktober 2014

 

Ich würd gern geliebt werden wollen.
Muss dafür mehr tun und machen und sollen.
Ich würde gerne glücklich sein.
Und das mit jemandem zusammen und nicht allein.

Also überleg ich, was ist liebenswert an mir?
Wie muss ich sein, was muss ich machen damit ich dir gefallen kann, damit du mich liebst?
Bis irgendwann ich dich und du mich kriegst.

Also, was kann ich noch kultivieren,
wie kann ich mich perfektionieren,
dass ich schön bin, klug, erfolgreich,
eine gewisse Stärke in mir und trotzdem weich?

Immer einfühlsam und supportiv,
optimistisch und positiv.
Dir ein Licht sein, ein Mensch an dem du dich erfreust. Mit dem du gerne und Stolz durch die Straßen läufst.

Und mein Gefährte, wie solltest du sein?
Mit dir sollte ich mich vollkommen fühlen und nicht allein. Am besten liebst du das, was ich auch lieben tu
und eh wir uns versehen sind wir im nu

Eva Wunderbar Philosophy Slam 2014

Das Paar 2014.
Und alle werden zu uns aufsehen und voller Bewunderung sagen,

was für eine schöne Beziehung wir haben.

Du solltest natürlich – wie ich – perfekt sein. Tolle Projekte machen und in deinem Dasein Die Welt bereichern und mich natürlich.
So lieben wir uns, du mich, ich dich.

Doch dann passiert es du bist nicht für mich da.
Ich versteh‘s nicht, bis jetzt war alles wunderbar
Und jetzt bist du komisch und seltsam und redest nicht mehr. Was ist den los? Ich dachte wir lieben uns so sehr.

Und du bist enttäuscht und ich bin es auch.
Die Schmetterlinge sind weg aus unserem Bauch. Weil wir nicht mehr das sind was wir sollten, nicht mehr das haben was wir wollten.

Das Bild was wir so schön malten,
ist zerbrochen und wir halten
den Schmerz nicht aus und wir gehen.
Weil es erträglicher ist, als diese Enttäuschung zu sehen.

Eva Wunderbar

Philosophy Slam 2014

So bin ich wieder allein.
Sitz in den Scherben von dem Schein an dem ich so hart gearbeitet hab und mich Tränenüberströmt frag:

Was ist denn liebenswert an mir? Mach ich was falsch, oder liegst an dir? Dass wir uns so entfremdet sind.
So enttäuscht, waren wir blind?

Mir wird plötzlich klar, dass wir nicht sehen wollen
Was zu uns dazugehört, sondern nur was wir sollen.
Wir sehen unsere Schatten nicht, nehmen unsere Fehler nicht an, obwohl das der einige Weg zum Wachsen sein kann.

Also schau ich auf meine Fehler, meine Unzulänglichkeit, Meine Angst, meine Schwäche, mein Gefühl der Wertlosigkeit. Und es tut weh, ich will das nicht sein.
So zerstört verwirrt und allein.

Was brauch ich eigentlich?
Ich war mir sicher ich brauch dich!
Damit du mich erfüllst!
Diese Leere, diesen Schmerz in mir stillst.

Eva Wunderbar Philosophy Slam 2014

Doch diese Leere, die spürst du selbst.
Und auch wenn ich dich und du mich dafür auserwählst, sie zu stillen zu Füllen wissen wir eigentlich,
dass diese Leere unerfüllbar ist.

Denn sie ist immer da.
Genau wie der ganze Rest, alle Fehler. Sie sind das was uns zu Menschen macht und plötzlich sind wir aufgewacht.

Sehen uns wahrhaftig an.
Fragen ob man das lieben kann.
Das alles, das ganze Paket, das ganze sein. Ist die Antwort darauf wirklich nein?

Wir verlangen vom anderen, wozu wir selbst nicht im Stande sind. Nämlich uns bedingungslos zu lieben wie die Mutter das Kind.
Dabei sollten wir das selber lernen – Aufhören Bedingungen an uns selbst

und den anderen stellen, um so unsere Liebenswürdigkeit zu bestimmen.

Wenn wir dann Verantwortung für uns selbst übernehmen Uns selbst sehen akzeptieren und annehmen,
hören wir auf den anderen zu beschuldigen
dass er uns enttäuscht, weil wir nichts mehr erwarten

Eva Wunderbar Philosophy Slam 2014

Und so hör ich auf, geliebt werden zu wollen. Will dafür nichts müssen machen und sollen. Sondern einfach ich werden und sein.
Mit dir zusammen oder auch allein.

Ich bin schon vollkommen in meiner Unvollkommenheit. Und ich wünschte ich glaube es ist an der Zeit,
dass ihr alle wenn ihr morgens vor dem Spiegel steht und all die Schatten und Lichter in euch seht

Erkennt, dass ihr undendlich wertvoll seid.
Wie alles Leben liebenswert. Ich glaub es ist an der Zeit.