Fränkischer Tag 3. Juli 2014

Tiefe Erkenntnis beim Philosophy Slam in Bamberg

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Autor: Martin Wohlgetan

Bamberg, Donnerstag, 03. Juli 2014 

Die tiefe Erkenntnis statt des schnellen Gags ist das Ziel des Philosophy Slams. Bewertet wurde die erfolgreiche erste Auflage in Bamberg vom Publikum, und es gab auch einen Jury-Preis.

Die Veranstaltung ist fast schon so alt wie die Disziplin selbst. Schon in der griechischen Antike traten die großen Denker mit ihren Gedanken in einen Wettkampf und ließen das Publikum den Sieger küren. Heute kennt man diesen „mündlichen“ Wettstreit als Poetry Slam, ein Format, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Das Konzept, kurzweilige Vorträge in die Abstimmungsgunst des Publikums zu legen, lässt sich logischerweise auch auf andere Ausdrucksformen übertragen. So gibt es nun Song Slams für Liedermacher oder den Science Slam, der aus Labor-Nerds sympathische Forscher macht. Und es gibt den Philosophy Slam: Der war nun in Bamberg zu Gast.

Bühne für Denker

Ins Leben gerufen hat diese Form des Wettstreits Gerhard Hofweber, Philosoph und Coach für Führungskräfte. Sein Konzept des Philosophy Slams hat er in Augsburg ausprobiert, der dortige Erfolg weckte die Lust auf Expansion. „Wir bieten Menschen, die sich intensiv und authentisch mit substanziellen Fragen auseinandersetzen, eine Bühne und einen öffentlichen Raum, in dem sie diese Fragen vor einem Publikum entwickeln können“, umreißt er die Absicht des Philosophenwettstreits. Ein für das Publikum hilfreicher Aspekt: Es gibt eine dreiköpfige Jury, die nach jedem Vortrag das Gehörte zusammenfasst, erläutert und nach handwerklichen, philosophischen Kriterien bewertet.

Das mag nun ziemlich trocken und nach dem üblichen Klischee der philosophischen Einsiedelei klingen – war jedoch das Gegenteil: eine durch die Bank frische Veranstaltung, die im hübschen Barocksaal des Palais Schrottenberg einen würdigen Veranstaltungsort fand.

Die Kurzweiligkeit war in erster Linie natürlich den vier Vortragenden zu verdanken. Philosophiestudent Berthold Blank sprach von der Moral im Sport mit besonderem Fokus auf Doping, Euchar aus Nürnberg stürzte sich in eine verbale Improvisation über – nomen est omen – ein theologisches Thema, nämlich die Frage, warum Jesus Christus eigentlich nicht „Heiliger Jesus Christus“ heißt.

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Performance und Inhalt

Einen philosophischen Brocken rollte der Bamberger Roni in den Saal, der im feinen Smoking gesten- und performancereich über die „Welt als Modell“ und Erkenntnistheorie fabulierte. Hier vereinte sich die Faszination Poetry Slam: die Kombination aus Performance und tiefgründigem Inhalt.

Gewinner des Abends war allerdings der jüngste Denker: Patrick Klösel, frisch gebackener Abiturient und Connaisseur der Zwölftonmusik, referierte über den Werkgedanken in der Kunst, von der scheinbaren Unmöglichkeit, subjektiven Geschmack in ein objektives Kriterienraster zu pressen. Schon allein seine Ausgangsthese „Warum gibt es so viel Hässliches in der Kunst?“ sicherte ihm die Gunst des Publikums, sein stringenter Vortrag überzeugte auch die Jury.

So nahm der 18-Jährige beide Schierlingsbecher als Siegertrophäe in Empfang: den des Publikums und der Jury. Letztere hatte quasi moderierenden Charakter, der sich vor allem auch durch die Zusammensetzung aus dem Philosophen Hofweber, dem Historiker Heinrich Lang sowie der Germanistin und Chefin der Bamberger FT-Lokalausgabe, Gertrud Glössner-Möschk, herrlich unaufgeregt in den Gesamteindruck des Abends fügte.
Dass bereits bei dieser Premierenveranstaltung nicht alle Zuhörer in den Saal passten, spricht für die Qualität des Konzepts. Und sollte mit Vorfreude neugierig machen auf die zweite Ausgabe.

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