Naturprinzip Geist

Naturprinzip Geist

Tassilo Volker Koller

Ich befasse mich seit einigen Jahren mit philosophischen Themen, wie der Metaphysik, der Sozialphilosophie, der Philosophie des Geistes und auch mit Ethik. Das Thema, mit dem ich mich seit Anfang 2008 intensiv beschäftige, wird „Leib-Seele-Problem“ genannt.

Es stellt für mich persönlich die Frage danach dar, ob der menschliche Geist die selbe Substanz darstellt, wie die Materie, die uns umgibt und daraus folgend die für mich wichtigere Frage, ob wir damit auch den Naturgesetzen der Welt vollständig unterliegen und evtl. lediglich naturwissenschaftlich berechenbares Verhalten nach dem Schema Ursache -> kausale Funktion -> Wirkung vorliegt, oder anders ausgedrückt, ob ich als Mensch in der Lage dazu bin, Einfluss zu nehmen oder ob mein Verhalten nur ein Produkt meiner Entwicklung und Situation, darstellt. Die erste Frage ist eine ontologische Frage, also die Frage nach den Substanzen der Welt. Die zweite ist eine Episthemologische Frage, also die Frage nach den Wechselwirkungen zwischen etwas, das wir Geist oder Seele nennen und dem, dass wir Materie oder physische Umwelt nennen.

Ich nenne meinen Ansatz in der Diskussion um das „Leib-Seele-Problem“, „Naturprinzip Geist“ und gehe dabei von einer Art Panpsychologismus aus. Die bekannteste Vertreterin panpsychologistischer Vorstellungen, ist der Pantheismus, also der Vorstellung von einer durch Gott beseelten Natur. Ich habe versucht, einen Panpsychologismus zu entwickeln, der ohne mythischen Unterbau auskommt.

Ich gehe dabei von einer speziellen Eigenschaft physischer Materie aus, ab einem bestimmten Organisationsgrad ein Konzept, dass ich als „Geist“ bezeichne, zu verwirklichen. Dieses Konzept stellt eine Möglichkeit dar, Verhalten vorzubereiten, dass naturgesetzliche Kausalität überwinden kann und damit in eine naturgesetzlich stabilen bzw. gesetzmäßig festgelegten, sprich determinierten Umwelt, den Faktor der indeterminierten Veränderung bringt. Ich beschreibe hier also ein Potential, mit dem freier Wille verwirklicht werden kann.

Um die Hypothese verständlicher darzustellen, will ich mit einigen Bildern und deren Erläuterung, arbeiten.

Wir leben in einer Welt, die beschrieben werden kann, durch die drei Aspekte

  1. Form (Ein Gegenstand in seiner physischen Form und Abgrenzbarkeit)
  2. Struktur (Das Verhältnis der Gegenstände zueinander, z.B. hier die zwei Flaschen oder die Einbettung eines Gegenstandes in seine Umwelt) und
  3. Veränderung, also die Veränderung von Form und Struktur.

Koller 1

Die Welt nehmen wir über unsere Sinne wahr. Es entsteht ein sinnliches Modell des Wahrgenommenen im Gehirn. Dieses Modell wird dort in Form von neuronalen Strukturen, also Nerven, die aktiviert sind, verwirklicht.

Koller 2

Dieses sinnliche Modell wird mit Hilfe bestimmter Umwandlungsregeln, ich nenne Sie Transitionsregeln, so umgewandelt, dass eine neuronale Struktur entsteht, die die Trägerin eines mentalen Modells ist. Man könnte es die Übersetzung von einer physischen in eine mentale Sprache nennen, wobei hier Sprache nur in dem Sinne gebraucht ist, dass eine bestimmte Syntax verwirklicht wird, mit der Gesetzmäßigkeiten in der Veränderung und Kombination verwirklicht werden können. Dabei werden im übertragenen Sinn die physischen Wörter (Sinneseindrücke) in mentale Wörter übersetzt, die miteinander sinnvoll verbunden werden können, weil ihre Kombination in der mentalen Sprache einen Sinn ergibt. Hier entsteht aber ein Informationsverlust, da es lediglich abstrakte Abbilder der sinnlichen Eindrücke sind.

An dieser Stelle befinden uns in der Betrachtung auf der ersten Ebene der mentalen Transition. Transition bedeutet Umwandlung und Veränderung mit Informationsverlust bzw. Informationsanreicherung. Auf dieser Ebene entstehen also mentale Entitäten, mit Verlust übersetzt von den Sinneseindrücken. Die entstehenden Objekte, nenne ich mentale Entitäten, sinnlicher Signatur. Sie sind mentale Entitäten ersten Grades. Es sind die simpelsten mentalen Entitäten.

Koller 3

Diese werden wiederum mit Verlust übersetzt in mentale Entitäten zweiten Grades. Jetzt können sie in bereits vorhandene, mentale Modelle eingegliedert werden, der Erfahrung. Hier kann die Vorstellung von Zeit entstehen. Solche mentalen Modelle können z.B. auch Abbildungen von Gesetzmäßigkeiten der Natur sein. Die Objekte dieser Ebene, nenne ich mentale Entitäten, zweiten Grades.

Hinzu kommt an dieser Stelle noch die Intentionalität oder Zielorientierung des menschlichen Geistes. Ich nenne diese Intentionalität „mentaler Handlungsplan“. Wichtige Typen mentaler Entitäten sind hier mentale Entitäten, moralischer Signatur, also Entitäten, die im Handlungsplan die Veränderung der mentalen Wörter oder besser Objekte, steuern. Damit werden „Gut“ und „Böse“ zur Orientierungshilfe bei der Veränderung der Entitäten. Diese Veränderung findet nach den Regeln der mentalen Sprache, zweiter Ebene, statt. Wenn wir uns nun eine beobachtete Gesetzmäßigkeit als Beispiel vornehmen, wie der Tatsache, dass Gegenstände, die wir fallen lassen, nicht nach oben fallen, sondern nach unten und diese empirische Erfahrung als abgebildete mentale Entität, zweiten Grades, vorliegt, kann durch die Regeln der mentalen Sprache zweiter Ebene, eine Veränderung vorgenommen werden, die dann einen mentalen Handlungsplan darstellen, der Gegenstände nach oben fallen lassen soll. Ich nenne diesen Typ mentale Entität, schöpferischer Signatur.

Koller 4

Diese mentalen Entitäten, schöpferischer Signatur, werden dann in mentale Entitäten, handlungsorientierter Signatur, auf der ersten mentalen Ebene umgewandelt. Sie sind wieder simple mentale Entitäten. Die zugrunde liegenden neuronalen Strukturen können dann über Transitionsregeln in neuronale Strukturen umgewandelt, die die Basis für körperliche Handlung bilden.

Koller 5

Es folgt die Handlung.

Die Reaktion der Umwelt wird wiederum wahrgenommen und durch den Kreislauf von Wahrnehmung – mentale Transition, also Übersetzung, Umwandlung mit Anreicherung und Verlust, Planung – Handlung, wird ermöglicht, ein inneres Abbild der Welt zu schaffen, dass schöpferisch modelliert werden kann und trotzdem gebunden bleibt an die Naturgesetze. Durch den Kreislauf bleibt die schöpferische Kraft des Geistes Erdgebunden, z.B. durch körperliche Mangelzustände, wie Durst oder Hunger und trotzdem ist sie potentiell indeterminiert, weil die Regeln der mentalen Sprache zweiter Ebene eine fast beliebige Veränderung von Abbildungen der Natur und damit auch deren Gesetzmäßigkeiten, ermöglicht.

Koller 6